
Mittwoch, 5. August
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Strassenkunst
Das elsässische Rosheim hat sich im Kern seinen mittelalterlichen Grundriss bewahrt. Zwei Stadttore stehen noch, die durch eine gerade Straße, die ehemalige Hauptstraße des Ortes, verbunden sind. An dieser Straße liegt, leicht erhöht wie auf einem Podest, ein romanisches Kleinod: Die Kirche Peter und Paul. Die klare Schlichtheit der Fassade setzt sich im Innenraum fort und der Raum überträgt eine Ruhe. So gehe ich umher und entdecke an einer Ecke eine Bibel, die aufgeschlagen auf einem Ständer liegt. Neugierig schaue ich, welche Stelle es wohl sein wird: Matthäus, der Seewandel Jesu, also jene Szene, wo Jesus über das Wasser geht und Petrus es auch versucht und untergeht. So zumindest ist es meistens im Gedächtnis. Die Überschrift legt eine andere Piste. Sie lautet: Jesus wandelt auf dem Wasser und Petrus mit ihm.
Ein Impuls
Wie eine kleine Wendung den Blickwinkel nicht nur verändert, sondern auch bisherige Sehgewohnheiten offenlegt. Das gilt auch im übertragenen Sinne. manches ist so bekannt, dass gar nicht auffällt, wie anders es auch ist. Ja, Petrus zweifelt und geht unter. Aber davor wandelt er mit Jesus auf dem Wasser. Wenn ich die Szene unter dieser Überschrift lese, kann ich ganz lange dabei verweilen, wie Jesus und Petrus über das Wasser gehen. Erst dann die Zweifel. Und das Hochziehen durch Jesus.
Verweilen in der Gegenwart
Bei sich sein: Gib acht auf dich. Wie ist es jetzt? Schenke dir einen freundlichen Blick. Für ein paar Augenblicke bleibe einfach bei dir.
Vielleicht ist dir auch ein anderer Gedanke in den Sinn gekommen. Dann verweile dort.

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