11.4.26 Alltagspilgern. Schritt für Schritt auf der Via Francigena. Blog und Podcast auf Ostern hin

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Von La Storta nach Rom

Wir kommen heute in Rom an. Doch so schnell geht das Ankommen nicht, deshalb verteilt sich die Etappe auf zwei Tage. Heute der Weg bis zum Petersplatz, morgen der Abschluss. Denn dieser, so viel sei verraten, war für mich nicht St. Peter. Die Wegbeschreibung ist selbst ein Impuls. Aus dem Pilgertagebuch habe ich bewusst mehr Passagen als sonst übernommen.

Die Etappe nach Rom führt immer entlang der Via Cassia. Ein Meilenstein zeigt die Distanz an: 18 km bis zur Piazza Venezia. Dort kommen alle Wege, die nach Rom führen, zusammen, und von dort wird gemessen. Ich komme an der Kapelle vorbei, wo der heilige Ignatius von Loyola seine Vision hatte: Ich werde euch in Rom gnädig sein.

Weiter geht es die Via Cassia entlang, mal auf dem Bürgersteig, mal an der Straße. Der Himmel ist bewölkt, ab und zu zeigt sich die Sonne. Ich merke, dass auch der letzte Tag noch gegangen werden will. Also nehme ich den gewohnten Pilgerrhythmus auf. Nur mit dem Gehtempo wird es etwas mühsam, weil ich immer wieder Autos und Fußgängern ausweichen muss, und so nicht ganz das gewohnte Tempo gehen kann.

Schließlich erreiche ich den Autobahnring um Rom, die moderne Stadtgrenze. Hier ist die Wegführung etwas unübersichtlich durch zahlreiche Fahrspuren und Baustellen. Ich folge einem Pärchen, das zielstrebig durch die verschiedenen Hindernisse Haken schlägt. So vermeide ich es, aus Versehen auf die Autobahn zu laufen und komme sicher in den inneren Ring. Noch immer geht es durch die Vorstädte mit ihren Supermärkten, Autowerkstätten und den großen Mietshäusern Ab und zu sehe ich tatsächlich die so vertraute Markierung mit dem Pilger, auch wenn sie jetzt kaum noch nötig ist. Es reicht, dem Schild „Via Cassia“ und anschließend der „Via Trionfale“ zu folgen. Letztere hat ihren Namen angeblich wirklich von den Pilgern, die die letzten Kilometer gleichsam im Triumphzug in die Stadt einziehen.

Schließlich erreiche ich den Monte Mario und bin kurz vor dem Ziel. Meine Spannung und Anspannung steigt, der Schritt wird schneller. Ein Restaurant „Bellevedere“ steht an einer strategisch günstigen Stelle. Für überteuertes Essen wird man dort einen fantastischen unverbauten Blick auf Rom genießen können. Noch habe ich keinen Blick auf die Stadt werfen können und während ich noch über diese Ungerechtigkeit nachdenke, dass anscheinend die schönen Aussichten allein den Reichen gegen Bezahlung vorgehalten werden, komme ich zu einem kleinen Schotterparkplatz. Die Straße führt an dieser Stelle durch ein Wäldchen und der Parkplatz sieht aus wie die meisten römischen Parkplätze, das bedeutet vor allem, er ist etwas heruntergekommen und verschmutzt. Aber all das interessiert jetzt nicht. Denn an dieser Stelle befindet sich der Bellevedere für das Proletariat: Eine Lichtung gibt den Blick auf Rom frei!

Oft habe ich mich gefragt, wie es wohl sein wird, wenn ich ankomme. Jetzt blicke ich auf das Häusermeer der Stadt, den Tiber und die Kuppel des Petersdomes und kann es nicht fassen. Nach 1.000 Kilometern sehe ich das Ziel. „Mons Gaudii“, „Freudenberg“ wurde der Monte Mario genannt, aber auch „Tränenberg“, „Mons Lacrimae“. Beides stürzt auf mich ein.

Es braucht eine Weile, bis ich weiter gehen kann. In Serpentinen geht es den Berg hinab in das Viertel um St. Peter herum. Ich weiß, dass ich nicht direkt nach St. Peter gehen möchte, es braucht noch einen Stopp. Also leiste ich mir einen Kaffee, ein letztes Verzögern der Ankunft. Dann geht es durch vertraute Straßen weiter, noch einmal finde ich ein Pilgerzeichen, dann taucht die Leoninische Mauer auf und die Piazza Risorgimento. Scharen von Menschen, Römer wie Touristen, kommen mir vom Angelus auf dem Petersplatz entgegen. Ich biege in die Straße ein, die an den Mauern des Vatikans seitlich zum Petersplatz führt. Ich durchquere die Kolonnaden und dann stehe ich auf dem Petersplatz.

Neben mir der Obelisk, vor mir die gewaltige Fassade des Domes. Ich bin da.

Ein Impuls

Berg der Tränen und Berg der Freude: Wenn du magst, halte Rückblick auf deinen inneren Weg der letzten Wochen.

Verweilen in der Gegenwart

Pilgern braucht Ankommen: Gönne dich dir selbst für eine kleine Weile.

Vielleicht ist dir auch ein anderer Gedanke in den Sinn gekommen. Dann verweile dort.