Dienstag, 8. Juli

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Das Meer
Ein Text: Erich Fried, Meer.
Wenn man ans Meer kommt
soll man zu schweigen beginnen
bei den letzten Grashalmen
soll man den Faden verlieren
und den Salzschaum
und das scharfe Zischen des Windes einatmen
und ausatmen
und wieder einatmen
Wenn man den Sand sägen hört
und das Schlurfen der kleinen Steine
in langen Wellen
soll man aufhören zu sollen
und nichts mehr wollen wollen nur Meer
Nur Meer
Ein Impuls
Die Begegnung mit dem Meer wird in Erich Frieds Gedicht zur Kontemplation. Es taucht ein in den Gegenwartsaugenblick, nimmt einfach wahr, wird still, atmet und „verliert den Faden“. Wenn man beim Beten oder Meditieren den Faden verliert, ist es oft ärgerlich. Vielleicht kann es auch sein, dass gerade dann der Weg in die Gegenwart beginnt. Mit Gott kann ich auch mal den Faden verlieren.
Verweilen in der Gegenwart
Der Atem bewegt sich zwischen innen und außen, außen und innen. Achte auf deinen Atem, wie er kommt und geht, wie er Weite schenkt und wie etwas gehen kann.
Vielleicht ist dir auch ein anderer Gedanke in den Sinn gekommen, dann verweile dort.

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