2.10.24 Übergänge. Herbstblog

Mittwoch, 2. Oktober

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Das Gedicht – von Silja Walter

Zerstreuung II

Mein Gott stellt Gegenden
her
Gegend um Gegend
um mich
wo ich nur hinseh
bloß Gegend
und Gegend
auf Erden

ach mein Geliebter
nirgends
ein Ort auf der Welt
ohne Gegend
um mich

ich werde aber
heut nacht
ich weiß nicht was
tun
damit du herauskommst
und Gegend
um Gegend
ergreifst
und sie in den Fluß
wirfst
die ganze Welt
samt dem Mond
in den Fluß
vor dem Haus
und mich offen
ansiehst
von Ewigkeit
zu Ewigkeit
Amen

Ein Impuls

Gegenden der Zerstreuung. Wie leicht machen sich die Gedanken auf Erkundungstour, beim Beten und auch sonst. Zerstreuungen sind lästig. Silja Walter bringt es ins Wort und auch die Sehnsucht, die trotz aller Gegenden da ist, findet ihren Raum. Ganz eins sein mit Ihm. Möglich, dass Er auch in den Gegenden da ist, hat er sie doch erschaffen.

Der Weg in die Gegenwart

Den Zerstreuungen einen liebenden Blick schenken.

Vielleicht ist dir auch ein anderer Gedanke in den Sinn gekommen. Dann verweile dort.

Quelle

Silja Walter, Zerstreuung II, zitiert nach Paul Konrad Kurz: Höre Gott! Psalmen des Jahrhunderts.