Freitag, 20. September
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Mascha Kaléko: Take it easy
Tehk it ih-sie, sagen sie dir.
Noch dazu auf englisch.
„Nimm’s auf die leichte Schulter!“
Doch, du hast zwei.
Nimm’s auf die leichte.
Ich folgte diesem populären
Humanitärem Imperativ.
Und wurde schief.
Weil es die andere Schulter
Auch noch gibt.
Man muß sich also leider doch bequemen,
es manchmal auf die schwerere zu nehmen.
(Mascha Kaléko, Mein Lied geht weiter. Hundert Gedichte, 141)
Ein Impuls
Wir denken oft in einem binären, einem Zweiser-System: Entweder – oder, richtig – falsch. Manchmal findet sich eine Mitte zwischen zwei Positionen, ein mehr oder weniger gelungener Kompromiss. „Und wurde schief,“ stellt Mascha Kaléko fest, „weil es die andere Schulter auch noch gibt.“ Ganzheit ist mehr als eine Seite. Ihre Konjunktion ist das „Und“, nicht das „Oder“. Vielleicht ist es eine Idee für heute, sich der anderen Schulter zuzuwenden, auf der Spur des Und und weniger ausschließlich zu denken.
Der Weg in die Gegenwart
Bei einem Wort, das dir besonders ist, das dir wichtig ist, verweilen.
Vielleicht ist dir auch ein anderer Gedanke in den Sinn gekommen. Dann verweile dort.


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