6.8.24 Unter deinem Himmel leben. Der Sommerblog

Freitag, 6. September

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Karl Rahner: Frömmigkeit heute und morgen

Nur um deutlich zu machen, was gemeint ist und im Wissen um die Belastung des Begriffes „Mystik" … könnte man sagen: der Fromme von morgen wird ein „Mystiker" sein, einer der etwas „erfahren" hat, oder er wird nicht mehr sein, … die Erfahrung, daß des Menschen Grund der Abgrund ist: daß Gott wesentlich der Unbegreifliche ist; daß seine Unbegreiflichkeit wächst und nicht abnimmt, je richtiger Gott verstanden wird, je näher uns seine ihn selbst mitteilende Liebe kommt; daß man ihn nie als bestimmten Posten in das Kalkül unseres Lebens einsetzen kann, ohne zu merken, daß dann die Rechnung erst recht nicht aufgeht; (K. Rahner SJ in: Geist und Leben, Heft 5, 1966)

Ein Impuls

Das Wort Rahners vom Mystiker hat einige Berühmtheit erlangt. Es stammt aus einem Artikel in der Zeitschrift „Geist und Leben“ aus dem Jahr 1966. Rahner schreibt seinen Artikel in die Umbruchssituation nach dem Konzil und sie könnte auch für unsere heutige Umbruchssituation, wo die Gewissheiten immer mehr schwinden, gelten. Für Rahner ist Frömmigkeit, wir würden vielleicht Spiritualität oder Glauben sagen, keine rein individualistische Angelegenheit. Sie ist eingebunden in eine Gemeinschaft und sie liegt in der Verantwortung des Einzelnen, die je eigene Antwort auf die werbende Liebe Gottes zu finden, ohne Gott ins Kalkül zu ziehen. Gott lässt sich nicht berechnen, doch kann ich mit ihm rechnen.

Der Weg in die Gegenwart

Bei einem Wort, das dir besonders ist, das dir wichtig ist, verweilen.

Vielleicht ist dir auch ein anderer Gedanke in den Sinn gekommen. Dann verweile dort.