Montag, 26. August
Audio
Erdenwege
Die Wegimpulse sind inspiriert von meinem Pilgerweg von Lausanne nach Rom, den ich 2009 zu Fuß gegangen bin.
Abstieg im Appenin.
Es kommt anders als geplant. Zunächst folge ich der guten Markierung. Hier sind es noch die Zeichen des Alpenvereins, also rot-weiß-rote Balken, mitunter versehen mit „Via Francigena.“ Der Weg führt wie angekündigt durch Laubwald. Am Eingang eines Dorfes kreuze ich die Straße, die gerade Baustelle ist. Maschinen stehen herum, die ich im Zickzack umkurve. Etwas versteckt entdecke ich wieder die Markierung, der ich folge. Der Weg führt hinab und wieder bergauf. Markierungen gibt es an den entscheidenden Stellen. Doch der Weg ist alles andere als angenehm, wie mein Führer behauptet. Das Ganze kostet viel Kraft, zumal es nach der Talsohle wieder steil und anhaltend bergauf geht. Mir kommen Zweifel, ob ich auf dem richtigen Weg bin. Schwitzend gehe ich weiter, denn der point of no return ist längst überschritten. Ich habe keine Ahnung wo ich bin und wohin ich gehe, aber immerhin bin ich auf einem Weg, der auch markiert ist, irgendwo werde ich also rauskommen, dann sehe ich weiter.
Gegen Mittag lichtet sich der Wald, stetig bergan erreiche ein kleines Dorf auf einer Bergkuppe. Mein Höhenmesser zeigt rund 500m an. Ich bin also definitiv falsch, denn mein Ziel liegt fast auf Meereshöhe. Das Dorf ist wie ausgestorbenen, die verbliebenen Bewohner sind wohl alle auf der Arbeit. Ich habe Glück, ein Wagen hält und ich kann fragen, wie ich nach Sarzana komme. Immer der Straße folgen, lautet die Antwort. Also geht weiter bis zum nächsten Dorf. Das ist immerhin bewohnt. Ich erfahre, dass es mindestens noch 16 Km Straße bis Sarzana sind. Aber ich kann nicht mehr. Das ständige Auf und Ab auf schmalen Wegen hat viel Kraft gekostet und der Wille ist auch nicht so recht da. Ich erfahre, dass in einer 3/4 Stunde ein Bus kommt. Ich beschließe, auf den Bus zu warten. Freundliche Menschen wechseln mir noch einen Schein, damit ich das Busticket bezahlen kann. Ein Bauarbeiter bietet mir an, dass er mich, falls der Bus nicht komme, mit hinab nach Sarzana nehmen könne, wenn er in 1 1/2 Stunden fertig sei. „Denn er hat seinen Engeln befohlen…“
Ein Impuls
Der Tagebuchabschnitt heute ist etwas länger, die Etappe war es auch. Nicht immer werden die Zeichen richtig gedeutet, nicht nur beim Pilgern oder Wandern. Manchmal hilft dann nur, die Situation anzunehmen, wie sie ist. Das kann frustrierend sein. Doch muss es nicht heillos sein. Auch auf dem falschen Weg gibt es Gottes Geist. Vorsehung ist dynamisch.
Der Weg in die Gegenwart
Den Tag Revue passieren lassen.
Vielleicht ist dir auch ein anderer Gedanke in den Sinn gekommen. Dann verweile dort.


Du muss angemeldet sein, um einen Kommentar zu veröffentlichen.