Sonntag, 19. Mai
Pfingsten
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Der Ballsaal und der Impuls
Leben aus dem Geist ist wie ein großer Tanz. Als Impuls lädt uns Madeleine ein in den großen Saal der Welt für den Ball des Gehorsams
Heute ist der vierzehnte Juli.
Alle gehen zum Tanz.
Überall, seit Monaten, Jahren, tanzt die Welt.
Je mehr man in ihr stirbt, desto mehr tanzt man.
Wogen des Krieges, wogender Ballsaal.
Das Ganze macht wirklich viel Lärm.
Die ernsthaften Leute sind schlafen gegangen.
Die Mönche beten die Matutin des heiligen König Heinrich.
Ich aber denke
An den anderen König,
An König David, der vor der Bundeslade tanzte.
Denn wen es auch viele heiligmäßige Leute gibt, die nicht gern getanzt haben,
So gibt es doch auch Heilige, denen der Tanz ein Bedürfnis war,
So glücklich waren sie zu leben: Die heilige Teresa mit ihren Kastagnetten,
Johannes vom Kreuz mit dem Jesuskind auf dem Arm,
Und Franziskus vor dem Papst.
Wenn wir wirklich Freude an dir hätten, o Herr,
Könnten wir dem Bedürfnis zu tanzen nicht widerstehen,
Das sich über die Welt hin ausbreitet,
Und wir könnten sogar erraten,
welchen Tanz du getanzt haben willst,
Indem wir uns den Schritten deiner Vorsehung überließen.
Denn ich glaube, du hast von den Leuten genug,
Die ständig davon reden, dir zu dienen - mit der Miene von Feldwebeln,
Dich zu kennen - mit dem Gehabe von Professoren,
Zu dir zu gelangen nach den Regeln des Sports,
Und dich zu lieben, wie man sich in einem alten Haushalt liebt.
Eines Tages, als du ein wenig Lust auf etwas anderes hattest,
Hast du den heiligen Franz erfunden
Und aus ihm deinen Gaukler gemacht.
An uns ist es, uns von dir erfinden zu lassen,
Um fröhliche Leute zu sein, die ihr Leben mit dir tanzen.
Um gut tanzen zu können - mit dir oder auch sonst,
Braucht man nicht zu wissen, wohin der Tanz führt.
Man muss ihm nur folgen,
Darauf gestimmt sein,
Schwerelos sein,
Und vor allem: Man darf sich nicht versteifen.
Man soll dir keine Erklärungen abverlangen,
Über die Schritte, die du zu tun beliebst,
Sondern ganz mit dir eins sein - und lebendig pulsierend
Einschwingen in den Takt des Orchesters, den du auf uns überträgst.
Man darf nicht um jeden Preis vorwärts kommen wollen.
Manchmal muss man sich drehen oder seitwärts gehen.
Und man muss auch innehalten können
Oder gleiten, anstatt zu marschieren.
Und das alles wären ganz sinnlose Schritte,
Wenn die Musik nicht eine Harmonie daraus machte.
Wir aber, wir vergessen so oft die Musik deines Geistes.
Wir haben aus unserem Leben eine Turnübung gemacht.
Wir vergessen, dass es in deinem Leben getanzt sein will,
Dass dein Heiliger Wille von unerschöpflicher Fantasie ist.
Und dass es monoton und langweilig
Nur für grämliche Seelen zugeht,
Die als Mauerblümchen sitzen am Rand
Des fröhlichen Balls deiner Liebe.
Herr, komm und lade uns ein.
Wir sind bereit, dir diese Besorgung vorzutanzen,
Dieses Haushaltungsbuch, dieses Essen, das bereitet werden muss,
Diese Nachtwache, bei der wir schläfrig werden.
Wir sind bereit, dir diesen Tanz der Arbeit zu tanzen,
Den der Hitze und dann wieder den der Kälte.
Wenn gewisse Melodien in Moll stehen, werden wir nicht behaupten,
Sie seien traurig;
Wenn andere uns etwas außer Atem bringen, sagen wir nicht,
Sie stießen uns die Lunge aus dem Leib,
Und wenn uns jemand anrempelt, nehmen wir es lachen hin,
Weil wir wissen, dass so was beim Tanz immer vorkommt.
Herr, lehre uns den Platz,
Den in dem endlosen Roman,
Der zwischen dir und uns begonnen hat,
Der Tanz einnimmt, dieser seltsame Tanz unseres Gehorsams.
Offenbare uns das große Orchester deiner Heilspläne,
Worin das, was du zulässt,
Einfach befremdliche Töne von sich gibt
Inmitten der Heiterkeit dessen, was dein Wille ist.
Lehre uns, jeden Tag die Umstände, unseres Menschseins anzuziehen
Wie ein Ballkleid, das uns alles an ihm lieben lässt
Um deinetwillen, wie unentbehrlichen Schmuck.
Gib, dass wir unser Dasein leben
Nicht wie ein Schachspiel, bei dem alles berechnet ist,
Nicht wie einen Wettkampf, bei dem alles schwierig ist,
Nicht wie einen Lehrsatz, bei dem wir uns den Kopf zerbrechen,
Sondern wie ein Fest ohne Ende, bei dem man dir immer wieder begegnet,
Wie einen Ball,
Wie einen Tanz,
In den Armen deiner Gnade,
Zu der Musik allumfassender Liebe.
Herr, komm und lade uns ein.
Mystik der Gegenwart
Den Geist einladen: Komm, Heiliger Geist.
Vielleicht ist dir auch ein anderer Gedanke in den Sinn gekommen. Dann verweile dort.


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