24.11. Ohne Landkarte – Der Novemberblog

Freitag, 24. November

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Eine Entdeckung

Ich stehe mit dem Rad an der Ampel. Rechts geht es, so steht es auf dem Straßenschild, in die Kalbächer Gasse. Ich muss schmunzeln, denn ein Frankfurter müsste erst einmal überlegen, wo diese Gasse denn sein soll. Die „Übersetzung“ hängt darunter, es ist der Spitzname, unter der die Gasse und die sich anschließende große Bockenheimer Straße bekannt sind: Freßgass‘ Der Name ist Programm.

Ein Impuls

Spitznamen gibt es für viele Gelegenheiten. Das betrifft Orte, Dinge und auch Menschen. Mit spitzer Feder greift der Name eine Eigenheit auf. Das ist wie bei der Freßgass‘ unmittelbar sprechend. Andere Namen brauchen etwas Hintergrundwissen, bei Spitznamen in der Familie ist das oft so. Manchmal entsteht ein Spitzname dadurch, dass sich jemand verhört oder die Silben nicht richtig kombiniert, wie es Kindern passiert. Trotzdem wissen alle, was der Saugstauber ist.  Mit dem Glauben und Gott ist es ähnlich: Da gibt es die offizielle Sprache und eine ganze Menge eigener Bezeichnungen, Spitznamen Gottes und des Glaubens sozusagen. Gott wird vermutlich schmunzeln, wenn uns die Silben mal wieder durcheinander purzeln.

Der Weg in die Gegenwart

Die Menschen, die mir heute begegnen, noch einmal in einem ruhigen Moment vor Augen stellen.

Vielleicht ist dir auch ein anderer Gedanke in den Sinn gekommen. Dann verweile dort.

Brecht auf ohne Landkarte 
und wisst, dass Gott unterwegs zu finden ist,
und nicht erst am Ziel.
Versucht nicht, ihn nach Originalrezepten zu finden,
sondern lasst euch von ihm finden
in der Armut eines banalen Lebens. 
(Madeleine Delbrêl)