21.11. Ohne Landkarte – Der Novemberblog

Dienstag, 21. November

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Ein Ereignis

Zur Mittagspause mache ich einen kleinen Spaziergang durch die Frankfurter Altstadt, etwas frische Luft schnappen. Ein Regenschauer gesellt sich dazu und kurz darauf zum Regen hinzu die Sonne. Auf der einen Seite ist es hell, über dem Dom thront eine dunkle Wand. Irgendwo müsste ein Regenbogen sein. Ich halte Ausschau und entdecke ihn, wie er sich über die Turmspitze des Domes farbig bunt erhebt.

Ein Impuls

Der Regenbogen ist das alte Bundeszeichen Gottes. Er verbindet Himmel und Erde und tut dies auf eine besondere Weise: An einem Ende erhebt er sich, um am Scheitelpunkt den Himmel zu berühren und wieder zur Erde zurückzukehren. Die Welt steigt sozusagen auf zu Gott und berührt ihn und Gott berührt die Welt. Gottesberührt kehrt sie wieder zurück. Gottesbeziehung ist keine Einbahnstraße, aber ein Bogen, der berührend verbindet. Wie beim Regenbogen gibt es nicht den einen Anfang und das eine Ende, es bleibt in der Schwebe, verbunden und frei.

Der Weg in die Gegenwart

Die Menschen, die mir heute begegnen, noch einmal in einem ruhigen Moment vor Augen stellen.

Vielleicht ist dir auch ein anderer Gedanke in den Sinn gekommen. Dann verweile dort.

Brecht auf ohne Landkarte 
und wisst, dass Gott unterwegs zu finden ist,
und nicht erst am Ziel.
Versucht nicht, ihn nach Originalrezepten zu finden,
sondern lasst euch von ihm finden
in der Armut eines banalen Lebens. 
(Madeleine Delbrêl)