9.11. Ohne Landkarte – Der Novemberblog

Donnerstag, 9. November

Audio

Ein Text, 1. Buch der Könige, übertragen von Martin Buber (1 Kön 19, 11-12)

Es sprach: Heraus, steh hin auf den Berg vor MEIN Antlitz! Da vorüberfahrend ER: ein Sturmbraus, groß und heftig, Berge spellend, Felsen malmend, her vor SEINEM Antlitz: ER im Sturme nicht – und nach dem Sturm ein Beben: ER im Beben nicht -und nach dem Beben ein Feuer: ER im Feuer nicht – , aber nach dem Feuer eine Stimme verschwebenden Schweigens.

Ein Impuls

Eine Stimme, ja ich möchte Gott hören, in meinem Alltag, möglichst deutlich, so wie ein Sturmbraus, der die Berge der Alltäglichkeiten hinwegfegt. Eine Stimme, die ruft, während ich wanke, weil der Tag mal wieder ganz anders verläuft als geplant – ER, im Sturme nicht. Und wenn der Blick auf morgen verstellt wird durch all das, was heute übrig geblieben ist, eine Stimme, die alles beseitigt – ER, im Beben nicht. Und wenn doch endlich mal ein Feuer lodern würde in all dem Grau und Kleinklein – Er, im Feuer nicht. Doch Schweigen, nicht betreten still, sondern schwebend, nicht fassbar, und im Schweigen ein leises Wort: Du.

Der Weg in die Gegenwart

Sich einen Moment nehmen und spüren, was ist, in mir und um mich herum.

Vielleicht ist dir auch ein anderer Gedanke in den Sinn gekommen. Dann verweile dort.

Brecht auf ohne Landkarte 
und wisst, dass Gott unterwegs zu finden ist,
und nicht erst am Ziel.
Versucht nicht, ihn nach Originalrezepten zu finden,
sondern lasst euch von ihm finden
in der Armut eines banalen Lebens. 
(Madeleine Delbrêl)