3.11. Ohne Landkarte – Der Novemberblog

Freitag, 3. November

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Ein Ereignis:

In meiner Küche hängt ein Kalender mit schwarzweißen Bildern aus Italien. Ich schlage das Blatt für den November auf: Es zeigt einen Ausschnitt, viel Marmor in barockem Schwung. Ich entdecke eine Inschrift und geschmiedete Ranken vor einem Medaillon. Auch eine Laterne mit mehreren Kandelabern ist auf dem Bild, einer davon hängt leicht schief in seiner Fassung. Das Kalenderbild zeigt einen Ausschnitt der Fontana di Trevi in Rom

Ein Impuls

Unzählige Male bin ich auf dem Weg zur Universität am Trevi Brunnen vorbeigelaufen. Natürlich weiß ich, wie der Brunnen aussieht und doch erkenne ich auf dem Foto ein neues Detail. Vielleicht wird mein heutiger Tag ganz ähnlich. Der Alltag ist mir vertraut, ich gehe oft dieselben Wege, wörtlich und übertragen. Aber manchmal springt ein Detail ins Auge, das ich so noch nicht gesehen habe. Es ist nur ein Ausschnitt, aber es gehört zum ganzen Bild. Gott macht sich manchmal die Freude, als kleines Detail im Alltag aufzutauchen. Das verändert schon die gewohnte Sicht.

Der Weg in die Gegenwart

Für einige Momente innehalten.

Vielleicht ist dir auch ein anderer Gedanke in den Sinn gekommen. Dann verweile dort.

Brecht auf ohne Landkarte 
und wisst, dass Gott unterwegs zu finden ist,
und nicht erst am Ziel.
Versucht nicht, ihn nach Originalrezepten zu finden,
sondern lasst euch von ihm finden
in der Armut eines banalen Lebens. 
(Madeleine Delbrêl)